EHRENAMTLICHE

Tragende Säule unserer Arbeit sind die ehrenamtlichen BegleiterInnen. Die Geschichte der Hospizbewegung begann als Bürgerbewegung, wo Menschen nachbarschaftlich handelten und so dafür sorgten, dass das Sterben wieder einen Platz in der Gesellschaft einnahm.

Ehrenamtliche bringen ein Stück Alltag in die Familien, die sich durch den nahen Tod eines Mitglieds im Ausnahmezustand befinden. Sie können eine kleine Erholungspause sein, jenseits aller notwendigen Professionalität und Betriebsamkeit, die sich um einen Sterbenden herum entwickelt.
Sie haben Zeit.
Sie sind „Fachleute fürs Alltägliche”.

Sie sind Zeugnis dafür, dass das Leben trotz allem weitergeht. Sie sind trotz allen Mitgefühls Außenstehende, sie kehren in ihr Leben zurück. Das ist wichtig, sonst könnten sie diese Aufgabe nicht so voller Hingabe leben.

Die Gruppen- und Supervisionsabende sind das Herz unseres gemeinsamen Handelns. Es ist entlastend, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich die Begleitung sterbender zur Aufgabe gemacht hat. Schweres kann miteinander geteilt werden, Rituale geben Halt.
Zusätzlich haben wir professionelle Unterstützung durch eine Supervisorin. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu sehr vielen Fortbildungen, um sich selbst und damit den Verein auf immer stabilere Füße zu stellen.

Unser Team

Unser Verein wird von unseren Vorstandsmitgliedern und unserer hauptamtlichen Mitarbeiterin geführt. Erfahren Sie mehr über uns und unsere Arbeit.

Aus- und Weiterbildung

Wir bieten regelmäßig Kurse für ehrenamtliche SterbebegleiterInnen an. Unser Ziel ist es, das jedem Menschen innewohnende Potential, Sterbende und ihre Angehörigen …

KURZ GESAGT

„Alle Steine kann ich dir nicht aus dem Weg räumen,
aber ich kann dich einen Teil deines Weges begleiten.“

Afra Bisom, Sterbebegleiterin

in wichtiger Moment
Jeder Mensch hat in seinem Leben zwei einschneidende Er-LEB-nisse. Beide werden in jeder Kultur auf dieser Erde auf besondere Weise zelebriert. Beide haben viele Gemeinsamkeiten, denn es geht um eine große Veränderung und es gibt daraus kein Zurück. Auch geschieht es in aller Regel nicht plötzlich, sondern kündigt sich lange vorher an.
Tatsächlich aber könnten die Unterschiede im „drumherum“ nicht unterschiedlicher sein. Genießt das Eine Aufmerksamkeit und wird stolz der Öffentlichkeit präsentiert ist das Andere stille Privatsache und wird verschämt hinter verschlossenen Vorhängen verborgen. Ich spreche natürlich von dem Moment des Eintritts in dieses irdische Leben und dem späteren Heraustreten aus demselben; von Geburt und Sterben.
Nun frage ich Sie: warum zelebrieren wir beides nicht auf die gleiche Weise?

Anja Howe, Sterbebegleiterin

Für das Ehrenamt der Sterbebegleiterin habe ich mich entschieden, weil ich einem sterbenden Menschen annehmend und unvoreingenommen mein Ohr, mein Herz, mein Verständnis und meine Empathie geben möchte, mit mir über alles offen reden zu können. Ich hatte bei früheren Erlebnissen und Begegnungen schon gemeint bemerkt zu haben, dass ich mich ohne Scheu auf mein Gegenüber einstellen kann. Ich empfinde das Ehrenamt als Bereicherung und Geschenk des Lebens – auch wenn das paradox klingen mag.

Carola Schipp-Strömich, Sterbebegleiterin, Trauerbegleiterin für Kinder und 2. Vorsitzende

Durch die Sterbebegleitungen lernte ich, eigene Werte zu hinterfragen und wichtige Lebensentscheidungen zu treffen. Es fällt mir leichter, Bedeutsames und Unwichtiges zu unterscheiden. Diese Aufgabe ist sehr erfüllend für mich.

Eva-Maria Willers, Sterbebegleiterin, Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche

Warum ich mich für eine ehrenamtliche Mitarbeit in unserem Verein entschieden habe, ist der Wunsch, Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke zu begleiten, um so dem Sterben einen humanen Rahmen zu geben. Ich selber lerne dabei unglaublich viel über das Leben, seine Vielfältigkeit und die individuelle Art, damit umzugehen. Oftmals wird mir in der Begleitung bewusst, wie sehr ich die Beschenkte bin. Eine Kollegin drückte es mit einem slawischen Sprichwort so aus: „Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.“

Denn es geht dabei nicht nur um den Tod, sondern eben auch ganz viel um das Leben. Dies zeigt sich auch in der Trauerbegleitung, die unser Verein für Erwachsene, Kinder und Jugendliche anbietet. Eine wichtige, wertvolle und bereichernde Aufgabe, der ich mich gerne stelle und mehr und mehr widmen möchte. Denn im Trauerprozess unterstützen zu dürfen, lässt umso deutlicher wahrnehmen, was Freude, Liebe und Leben bedeutet.

Dieses Ehrenamt ist für mich mehr als Geben – ich bekomme so viel mehr zurück.

Gisela Schulz, Sterbebegleiterin

Menschen am Ende ihres Lebens zu begleiten, empfinde ich auch als eine Schule/Lehre für das eigene Leben. Die andere Person ist ein Spiegel für mich selbst. Ich nehme in mir selbst Dinge wahr, an die ich sonst nicht gerne denke, die ich verdrängt habe und auch nicht so gerne ansehen möchte. Als Begleiterin schaffe ich zwischen dem Mitmenschen und mir einen Raum, in dem alle Gefühle und innere Berührungen ihren Platz haben dürfen. Selbstbestimmt, mit allen Stärken und Schwächen, soll die Person ihren Weg bis zu Ende gehen. Ich selbst brauche Geduld, Ruhe, Zeit zum Zuhören, Zurücknahme der eigenen Bedürfnisse und Liebe für diese Aufgabe. Mein christlicher Glaube hilft mir, die letzte Strecke des Lebensweges mitzugehen, der für die Betroffenen und deren Angehörige nicht immer einfach ist. Mit Dankbarkeit blicke ich auf hinterlassene Spuren von Begleiteten in meinem Leben.

Kerstin Birkholz, Sterbebegleiterin

Für mich ist es eine Berufung, ich möchte nicht, das Menschen ihren letzten Weg alleine gehen, sondern für sie da sein, ihnen zuhören, Ängste und Nöte mit ihnen teilen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit zu helfen. Ich bin vorurteilsfrei, kann den Menschen offen und ehrlich begegnen, verfüge über viel Einfühlungsvermögen und ich begegne den sterbenden Menschen und ihren Angehörigen würdevoll.
Es ist mir nicht möglich, den Weg, den sterbende Menschen gehen müssen, für sie zu gehen. Ich kann nur ein Stück mitgehen und das werde ich tun, als Frau mit einem großen Herz.

Maren Hems-Pasinski, Sterbebegleiterin; Trauerbegleiterin für Kinder

„Der Tod war schon immer Teil meines Lebens. Er gehörte einfach dazu. Ich habe zwei Brüder, die kurz nach der Geburt starben. Ich habe sie nie kennengelernt und doch hat ihr Tod mich und meine Familie begleitetet. Meine Großeltern – bis auf eine Oma – waren bereits tot als ich geboren wurde und diese Oma starb in meiner Jugendzeit. Ein Freund aus Kindertagen nahm sich das Leben. Kurz vor dem Abi starb ein Schulfreund durch einen Autounfall… Der Tod hat mich begleitet und mir war klar, dass das Leben endlich ist – für jeden von uns, an jedem neuen Tag.

Im Jahr 2010 wurde meine Mutter, nach zwei überstandenen Krebserkrankungen, erneut schwer krank. Schließlich wurde sie ins Auxilium Hospiz nach Geesthacht verlegt. Ihr Tod hat meine Familie und mich in tiefe Trauer und eine Krise gestürzt. Meine Mutter war mir Freundin, Vertraute und Anker. Doch in der geteilten Trauer, der Gemeinsamkeit und dem Miteinander haben wir Trost und Halt gefunden. Geholfen hat uns dabei auch der Umgang der Hospizmitarbeiter mit dem Thema Tod, der Trauer, der Wut und Verzweiflung. Das ruhige Zuhören, das Dasein, die Bereitschaft ein Stück des Weges mitzugehen, das alles hat uns und mir Kraft und Mut gegeben. Und die Erkenntnis, dass Menschen in Würde sterben können.

Danach war mir klar, dass ich mich engagieren werde. Doch vorher brauchte ich Zeit für mich, Zeit für meine eigene Trauer, Zeit für meine eigene kleine Familie, Zeit für meine große Ursprungsfamilie.
So kam ich 2017 zum Befähigungskurs des Freundeskreis Hospiz Geesthacht e. V. und erlebte eine große und starke Gemeinschaft mit den anderen Frauen. Wir ließen einander an persönlichsten Geschichten teilhaben, wir machten uns „gläsern“ ohne schutzlos zu sein. Wir lernten uns auf eine ganz neue, eine andere Art kennen. Oft wussten wir nicht, wer verheiratet war oder Kinder hatte oder welchen Job jemand machte. Doch wir kannten die verwundbarsten Stellen des Gegenübers. Das Zitat aus „Der Kleine Prinz“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“ wurde real. Und genau so funktioniert auch die „große“ Gruppe der Ehrenamtlichen – eine starke Gemeinschaft, ein ganzes Dorf, dass sich gegenseitig stützt. Es macht keinen Unterschied woher wir kommen, ob wir Familie haben, welche Ausbildung wir haben, welchen finanziellen Status, wie alt wir sind oder welchen Glauben wir haben.
Wir alle begleiten Menschen und deren Zugehörige (ein wunderbares Wort, Carola) auf Ihrem letzten Weg, in Ihren schwersten Stunden, in Ihrer Trauer, in Ihrer Verwundbarkeit. Wir gehen ein kleines Stück des Weges mit Ihnen. Diese Gemeinsamkeit und die Gemeinschaft haben mich und mein Leben sehr verändert und bereichert.
Die Hospizbewegung und unser Verein kann Orte und Gelegenheiten schaffen, damit sterbende Menschen am Ende Ihrer Lebensreise in Würde und selbstbestimmt Abschied nehmen können. Schmerzminderung, Trost, Zuspruch und das Abschiednehmen, also die Begleitung in der Trauer und Unterstützung im Sterbeprozess, sind unsere Kernaufgaben. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar, auch die Würde und Selbstbestimmung eines sterbenden Menschen ist unantastbar.“

Monika Müller, Sterbebegleiterin

Weshalb ich mich für das Ehrenamt entschieden habe?

Über viele Jahre pflegte meine Mutter meinen schwer an Parkinson erkrankten Vater in meinem Elternhaus. Mein Vater konnte in der letzten ihm verbleibenden Zeit nicht mehr allein aufstehen und fast nicht mehr sprechen. Den Ausblick auf sein Vogelhäuschen und das Leben darin konnte mein Vater täglich durch das Fenster genießen. Es kamen Höhen und Tiefen. Irgendwann ging dann gar nichts mehr. Über die Familie lernten meine Eltern eine Sterbe- und Trauerbegleiterin kennen. Ich bemerkte, dass meine Mutter nach jedem dieser Besuche aufblühte. Im Februar 2012 verstarb dann leider mein Vater.

Das bewusste Leben und Umgehen mit der Situation während dieser Zeit bewegten mich, dieses wunderbare Ehrenamt anzustreben. Diese einzigartige und tolle Ausbildung begann ich dann im Jahr 2017 im Freundeskreis Hospiz Geesthacht.

Mein Herzenswunsch ist, den Menschen ein kleines Stück Glück, ein Lächeln im Gesicht weitergeben zu können, wie meine Eltern es empfangen haben.

Rossita Eichholz, Trauerbegleiterin

Als mein Mann lebensbedrohlich erkrankte, habe ich dies zum Anlass genommen, dem Hospizverein beizutreten und mich zur Sterbebegleiterin ausbilden zu lassen. Mit diesen Erfahrungen konnte ich meine Kinder dann gut unterstützen, als mein Mann verstarb.
Seit 2014 begleite ich nach der Ausbildung zur Trauerbegleiterin die Menschen, die einen Verlust erlitten haben, im Trauercafé, in Trauergruppen und bin in Einzelgesprächen für die Trauernden da.  Mit großem Interesse und Freude absolviere ich jedes Jahr diverse Fortbildungen, u. a.: Trauer und Trauma, Trauer und Schuld, Hypnosystemische Trauerarbeit, Einführung in die Ego States und imaginative Methoden. Dies sind wichtige Bausteine für unsere Arbeit mit den Trauernden.
Die Trauernden mögen an mir meine positive und fröhliche Ausstrahlung, welche ihnen Mut und Zuversicht gibt und auch manchmal die Schwere nimmt. Ich freue mich über dieses erfüllende Ehrenamt, das mein Leben bereichert und mir viel zurückgibt.